„Kinderarmut - was können wir tun?“: Mit diesem Thema beschäftigt sich im Europäischen Jahr der Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung auch das Städteforum der kommenden Kieler Woche.

Internationales Städteforum: Ziel ist es, voneinander zu lernen
„Das Internationale Städteforum hat längst Tradition. Auch 2010 werden die Partnerstädte und befreundeten Kommunen der Landeshauptstadt wieder zu Gast an der Förde sein. Was vor 34 Jahren als völkerverbindendes Treffen begann, hat sich heute zu einem aktuellen politischen Forum entwickelt.
Thema diesmal: der Kampf gegen Armut und soziale Ausgrenzung. Bereits im Jahr 2000 hatten sich die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union in Lissabon verpflichtet, Initiativen zur Beseitigung von Armut zu ergreifen. Als armutsgefährdet gelten Menschen, deren Durchschnittseinkommen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens beträgt.
Doch trotz der unternommenen Anstrengungen lebt ein bedeutender Teil der europäischen Bevölkerung auch heute noch in Not und hat keinen Zugang zu den Grunddienstleistungen wie etwa der Gesundheitsfürsorge. Grund für die Europäische Kommission, als „große Sensibilisierungsaktion“ das Jahr 2010 zum „Europäischen Jahr der Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung“ zu erklären.

Das Thema 2010: Kinderarmut
Die Landeshauptstadt Kiel wird – dazu passend – zum sechsten Mal einen Sozialbericht vorlegen, der sich mit der Entwicklung von Arbeitslosigkeit und dem Bezug von Leistungen der Grundsicherung sowie der Sozialhilfe beschäftigt. Doch Anlass zur Entwarnung, das steht schon jetzt fest, wird es nicht geben. Nach wie vor sind zu viele Menschen auf ergänzende und ausgleichende Sozialleistungen staatlicher Stellen angewiesen.
Besonders die Situation von Kindern und Jugendlichen ist schwierig. Während Ende 2008 insgesamt 16 Prozent der Kieler Bevölkerung (38.100 Menschen) auf Transferleistungen angewiesen waren, mussten 31 Prozent der unter 15-Jährigen entsprechende Hilfen in Anspruch nehmen. Fast ein Drittel der Kieler Kinder und Jugendlichen erfährt im alltäglichen Leben unmittelbar, was es bedeutet, wirtschaftlich benachteiligt zu sein: Ein Leben in äußerst bescheidenem Rahmen mit lediglich begrenzten Teilhabemöglichkeiten, Perspektiven und Chancen.
Das Städteforum zur Kieler Woche will in dieser vielschichtigen Problematik nach Perspektiven suchen. So wollen die Teilnehmer zunächst erörtern, wie sich die Kinderarmut in den Partnerstädten Kiels darstellt. Denn man will voneinander lernen: Gibt es in den Städten Strategien zur Bekämpfung der Kinderarmut? Und wenn ja: Welche Maßnahmen werden ergriffen und welche Initiativen bestehen? Geplant ist schließlich, mit einer „Kieler Erklärung zur Bekämpfung von Kinderarmut“ einen Forderungskatalog zur Bekämpfung der Armut aufzustellen.
Bei der reinen Theorie soll es dabei nicht bleiben: Damit das Städteforum auch einen Praxisbezug erhält, sollen zwei außerhalb der Stadtverwaltung engagiert arbeitende Initiativen mit eingebunden werden. Das „Kieler Netzwerk gegen Kinderarmut“ sowie die „Kieler Tafel“ werden vor Ort in den jeweiligen Einrichtungen den Forums-Teilnehmern über ihre unmittelbaren Erfahrungen berichten.